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Kinderheim Kastanienhof, Kaiserstr. 103a, Krefeld
Telefon: (+49) 02151 507 31 0, mail: info@kinderheim-kastanienhof.de

Presse - Die Krone Februar 2015 - DER JUNGE, DER AUS DER HÖLLE KAM

WIE GEFRI BETHEL IM KINDERHEIM KASTANIENHOF DAS „JA“ ZUM LEBEN LERNTE

Lässig schlendert Gefri Bethel über den Platz des Kinderheims Kastanienhof an der Kaiserstraße. Er ist 1,90 Meter groß, drahtig, trägt eine schwarze Lederjacke mit modischen Applikationen, Jeans im angesagten Vintage-Look und coole Turnschuhe. Eine mattgoldene riesige Uhr glänzt am linken Handgelenk. Aber vielmehr funkeln seine Augen. Unfassbar, dass dieser lebensbejahende 20-Jährige vor sieben Jahren in seinem Dorf in Angola miterleben musste, wie seine Eltern ermordet wurden. Nach seiner Flucht fand Gefri im Kastanienhof ein liebevolles Zuhause auf Zeit und gewann sein Urvertrauen zurück.


Aufrecht, aber entspannt, sitzt Gefri vor mir. Seine Kopfhörer und Basecap hat er vorher abgelegt – eine höfliche Geste. Es fällt ihm scheinbar leicht, seine Geschichte zu erzählen: Gefri lebt als behütetes Einzelkind mit seinen Eltern in Cabinda, Südwestafrika. Sein Vater ist führendes Mitglied einer Partei, dessen Mitglieder vom Regime politisch verfolgt werden.

Eines nachts dringen Unbekannte ins Haus ein und ermorden beide Eltern (was Gefri aber erst später erfährt). Er flüchtet durchs Fenster und verbringt die Nacht im Freien. Am nächsten Tag nimmt ein Nachbar Gefri auf und versteckt ihn bei sich zuhause. „Ich saß den ganzen Tag rum und durfte nicht mehr zur Schule gehen. Die Mörder waren auch hinter mir her“, erzählt er. Monate später verlässt der Nachbar mit Gefri urplötzlich das Dorf. Gefri trägt nur eine Supermarkttüte bei sich, mit einem Hemd, einer Hose und zwei Boxershorts; an den Füßen ausgetretene Turnschuhe. Jetzt erst erfährt er, dass seine Eltern ermordet wurden – ein Schock. Vom Flughafen Luanda, der Hauptstadt Angolas, geht es über Brüssel nach Krefeld. Nach drei Tagen in einem Hotel dann der nächste Schock: „Mein Bekannter sagte mir, dass ich ab sofort alleine klarkommen muss.“ Eingeschüchtert sitzt der 14-Jährige Gefri auf der Straße und wartet ab. Deutsch kann er nicht; seine Muttersprache ist Portugiesisch. Polizisten bringen ihn zum Präsidium. Von dort kommt er für zwei Wochen in eine „Obhutnahmegruppe“ des Kinderheims Marianum.

„Ich werde Erzieher“, sagt Gefri Bethel. Diesen Monat macht er im Rahmen seiner Ausbildung sein zweites Praktikum im Evangelischen Familienzentrum in Bockum.
„Ich werde Erzieher“, sagt Gefri Bethel. Diesen Monat macht er im Rahmen seiner Ausbildung sein zweites Praktikum im Evangelischen Familienzentrum in Bockum.

Dann die vorerst letzte Station seiner kräftezehrenden Flucht: das Kinderheim Kastanienhof. Dort wird Gefri in den kommenden Jahren eine liebevolle Betreuung und Förderung erfahren, angefangen mit einem Intensiv-Deutschkurs in den Sommerferien 2008 im Jugendhaus „Villa K.“ am Stadtgarten.


Es ist das Verdienst des Kastanienhofs, dass dieser junge Mann gelernt hat, seine belastende Vergangenheit zu verarbeiten und positiv nach vorne zu schauen. Gefris persönliches Fazit lautet: „Der Kastanienhof stand immer hinter mir: am Anfang, als ich kein Wort Deutsch sprach, während meiner Schulzeit an der Theodor-Heuss-Hauptschule in Fischeln, vor zwei Jahren, als ich abgeschoben werden sollte und auch nach meinem Auszug aus dem Heim, als ich meine eigene Wohnung in Krefeld bezogen habe.“



„GEBORGENHEIT UND WÄRME SCHAFFEN ZUVERSICHT UND LUST AUF ZUKUNFT.“


„Das Schönste ist, wenn wir es schaffen, mit Hilfe des Jugendamtes und anderer Unterstützung, Kinder wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückzuführen“, unterstreicht Heimleiter Jens Lüdert. Rund zehn Kinder waren es im vergangenen Jahr..
„Das Schönste ist, wenn wir es schaffen, mit Hilfe des Jugendamtes und anderer Unterstützung, Kinder wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückzuführen“, unterstreicht Heimleiter Jens Lüdert. Rund zehn Kinder waren es im vergangenen Jahr..

Heimleiter Jens Lüdert ist sichtlich bewegt von diesen Worten und fühlt sich in seiner Arbeit bestätigt, die er als „sehr dankbare Aufgabe“ bezeichnet. Bei Gefri hat der Leitspruch des Kinderheims Kastanienhof Früchte getragen. „Geborgenheit und Wärme schaffen Zuversicht und Lust auf Zukunft“. Es sind nicht nur die einladenden Räume hinter der Fassade mit den vielen Fenstern, die genau so aussieht, wie man sich ein klassisches Kinderheim vorstellt. Immerhin stammen die Gebäude auf dem 7.500 Quadratmeter großen Areal aus dem 19. Jahrhundert.

Es ist die Arbeit von 50 Pädagogen und weiteren 40 Mitarbeitern, die sich um das Wohl von 122 Kindern und Heranwachsenden sorgen. Und es sind die Heimkinder selbst, die jeden Neuzugang mit großer Empathie empfangen. Gefri erinnert sich gerne an seine ersten Wochen: „Drei- und Vierjährige kamen in mein Zimmer, gaben mir Kinderbücher und wollten mit mir spielen.“


Kern der Kinderheimarbeit ist ein gut strukturierter Alltag. „Den haben unsere Heimkinder nie kennengelernt. Wenn sie zu uns kommen, leiden sie an emotionaler und physischer Verwahrlosung und Angstzuständen. Sie sind förmlich leer“, erläutert Jens Lüdert. Im Kastanienhof werden daher „Leuchttürme des Tages“ geschaffen, vermeindliche Selbstverständlichkeiten:

Es gibt immer Frühstück. Nach dem Kindergarten oder der Schule ist immer jemand da. Es gibt ein warmes Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung. Abends werden die Kinder ins Bett gebracht. „Außerdem gehen wir auf ihre Fähigkeiten ein. Damit stehen wir heute noch in der humanistischen Verpflichtung unseres Trägers, dem Krefelder Frauenverein von 1827“, ergänzt der Heimleiter. 

Sehr gute Kooperationen pflegt der Kastanienhof mit Kindergärten und Schulen, aber auch mit der Städtischen Musikschule, Dance&Fitness Biggi Klömpkes, dem Turnverein Bockum und dem Sportclub Bayer Uerdingen. Hier spielte Gefri übrigens als Center in der Basketballmannschaft, zuletzt sogar in der Regionalliga. „Heute trainiere ich nur manchmal, denn mehr erlauben meine Ausbildung und mein Nebenjob nicht“, sagt er. Nebenbei kellnert Gefri in Düsseldorf bei großen Firmenevents oder Empfängen der Stadt. „Dabei habe ich schon Lothar Matthäus und Jan Delay gesehen“, strahlt er.

Gefri packt sein Leben an. Fünf Jahre Leben im Kastanienhof – von Wohngruppe 3 über die Außenwohngruppe und zuletzt im sozialpädagogisch betreuten Wohnen in den eigenen vier Wänden – haben seine Persönlichkeit gestärkt. Enorme Intergrationsfähigkeit und das Interesse an sozialem Engagement waren ihm dabei ein guter Begleiter und sicher auch ausschlaggebend für seine dreijährige ehrenamtliche Tätigkeit als Streitschlichter für die Schulschiedsstelle Krefeld.

Kinderheim Kastanienhof, Kaiserstraße 103a, 47800 Krefeld, 02151/507310, info@kinderheim-kastanienhof.de
Kinderheim Kastanienhof, Kaiserstraße 103a, 47800 Krefeld, 02151/507310, info@kinderheim-kastanienhof.de

Heute wünscht sich Gefri „eine berufliche Perspektive“, die ihm ein „freies, eigenverantwortliches und glückliches Leben“ ermöglicht. „Glück ist nicht Geld, obwohl ich gerne shoppen gehe“, schmunzelt Gefri und ergänzt: „Mein Glück ist, dass ich heute lächeln kann, gesund bin und nette Menschen kenne. Glücklich ist Gefri mit seiner Freundin aus Krefeld, die in Essen studiert. Glücklich ist Gefri auch, wenn er mit seinem besten Kumpel, einem Somali, in den Krefelder Diskotheken abtanzen kann: „HipHop ist meine große Leidenschaft“, sagt er.

Solche Äußerungen drücken aus, was ein Kinderheim leisten kann. Wenn ein ehemaliges Heimkind mit einem furchtbaren Kindheitstrauma erfolgreich einen Berufsweg einschlägt, eigenverantwortlich lebt und sogar den Wunsch hat, eine eigene Familie zu gründen, ist soviel wertvolle soziale und emotionale Arbeit geleistet worden, dass alle seine Pädagogen und Wegbegleiter höchsten Respekt verdienen. //pet

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