.

Kinderheim Kastanienhof, Kaiserstr. 103a, Krefeld
Telefon: (+49) 02151 507 31 0, mail: info@kinderheim-kastanienhof.de

Presse - Dein Spiegel 10/2013 - Menschen... Luise lebt im Kinderheim

In Wirklichkeit heißt Luise gar nicht Luise.

Aber sie fände es blöd, wenn jeder wüsste, dass sie in einem Kinderheim lebt. Viele Menschen haben da nämlich Vorurteile. Deshalb haben wir sie hier Luise genannt.

von Almut Steinecke

Fotos: Matthias Jung

Luise schlägt ein Fotoalbum auf. "Da waren wir im Urlaub", sagte sie und zeigt auf ein Bild. "Und hier", sie blättert zwei Seiten weiter,

"das war letztes Ostern, da haben wir Eier gefärbt!" Luise lächelt, an ihren Zähnen blitzt eine Zahnspange mit Brackets in Türkis, Orange

und Pink. Schöne Momente sind da im Album festgehalten.

Familienfotos - allerdings nicht ganz. Die Kinder auf den Bildern sind nicht ihre Geschwister. Und die Erwachsenen nicht ihre Eltern.

Luise lebt im .Kastanienhoi'' , einem Kinderheim in der Stadt Krefeld im Rheinland.

Die 12-Jährige ist kein Waisenkind, aber eine richtige Familie hatte sie nie. Ihre Eltern trennten sich, als Luise noch ganz klein war.

Der Mann, den ihre Mutter danach kennen lernte, war oft wütend und hat Luises Mutter angeschrien. Die Mutter wurde deshalb immer

trauriger. Irgendwann weinte sie nur noch den ganzen Tag und konnte nicht mehr richtig für Luise sorgen.

Das Jugendamt brachte Luise schließlich in den "Kastanienhof" - mit dem Einverständnis der Mutter.

Der erste Tag war nicht schön. Außer ihren Anziehsachen hatte Luise nichts von zu Hause mitgenommen. Und neue Freunde zu finden

war auch nicht leicht: "Ich kann nicht einfach so drauflosreden. Ich warte immer erst mal ab, wenn ich jemanden nicht kenne."

Das ist jetzt vier Jahre her. Luise versteht sich gut mit ihrer Zimmernachbarin und hat auch längst eine beste Freundin, die 13-jährige

Charlotte.

92 Kinder leben zurzeit im .Kastanienhot" , sie wohnen in Gruppen aus zehn bis elf Mädchen und Jungen. Alle sind unterschiedlich alt.

Luise gehört zu den Ältesten in ihrer Gruppe, das jüngste Kind in ihrem Wohnbereich ist vier.

Jede Gruppe hat ein gemeinsames Bad und eine Küche mit Herd und Kühlschrank. Außerdem ein Wohnzimmer mit einer langen Esstafel

und einer Couch. In den Kinderzimmern kann man zu zweit oder zu dritt wohnen. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, wenn man vorher ein eigenes Zimmer hatte.

Luises Tagesplan ist nicht anders als der normaler Familien: "Morgens werden wir um halb sieben von den Erziehern geweckt, um sieben

Uhr gibt es Frühstück." Danach kommen: Schule, Mittagessen, nachmittags wieder Unterricht, dann Hausaufgaben, und um 18 Uhr gibt es

Abendbrot. "Danach gucke ich mit den anderen . noch Fernsehen im Wohnzimmer", sagt Luise, "und um halb neun gehe ich zu Bett."

Ein paar Regeln sind aber anders als in normalen Familien. Luise nimmt sich zum Beispiel nicht einfach so einen Joghurt aus dem

Kühlschrank, sondern fragt erst einen Erzieher. Der Joghurt könnte ja einem anderen Kind gehören.

"Natürlich wäre ich gern bei meiner Mutter, ist ja wohl klar", sagt Luise. Zwar ist im Heim immer ein Erzieher für sie erreichbar, nicht nur

tagsüber, auch nachts ist ein Betreuer in seinem Bereitschaftszimmer auf der Etage. Wenn man mal schlecht geträumt hat und nicht wieder

einschlafen kann, wäre also stets jemand da zum. Reden. Zweimal im Jahr machen die Kinder mit den Erziehern sogar Ferien, zum Beispiel

in Holland. Dennoch 'sind die Betreuer nicht die eigenen Eltern.

Luises Klassenkameraden stellten sich den .Kastanienhof" erst ganz schön schlimm vor:

"Einmal wurde ich gefragt, ob man in einem Heim eigentlich hinter Gittern lebt." Luise schüttelt kichernd den Kopf. Sie hat ihre Mitschüler dann für einen Nachmittag eingeladen. "Und als die den großen Garten gesehen haben, fanden sie es toll hier!"

Am schönsten findet es Luise natürlich, wenn ihre Mutter sie im Heim besucht: jede Woche, immer samstags, für ein paar Stunden. Auf Luises Bett sitzt ein rosafarbenes Plüsch-Einhorn zwischen den Kissen, Luise nimmt es auf den Schoß. "Das hat mir meine Mutter mitgebracht."


weitere Informationen

Hier finden Sie Informationen zu unserem Träger..

 

 Krefelder Frauernverein

für Kinder-und Altenfürsorge

gegr. 1827

Mitglied im:

Kontakt

Bitte den Code eingeben:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.