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Kinderheim Kastanienhof, Kaiserstr. 103a, Krefeld
Telefon: (+49) 02151 507 31 0, mail: info@kinderheim-kastanienhof.de

Presse - RP - Kastanienhof - Heimat für wunde Kinderseelen

Das Kinderheim in Bockum nimmt Kinder auf, die schwer zu tragen haben. Oft fühlen sich die Kinder schuldig an Ihrer Situation.

von Jens Voss

Jens Lüdert (47) vor unserem ersten Adventhaus - dem Kinderheim Kastanienhof. Er leitet das Kinderheim seit zwei Jahren, ist Diplom- Sozialpädagoge und hat in Nimwegen studiert.
Jens Lüdert (47) vor unserem ersten Adventhaus - dem Kinderheim Kastanienhof. Er leitet das Kinderheim seit zwei Jahren, ist Diplom- Sozialpädagoge und hat in Nimwegen studiert.

Der Mann ist das fleischgewordene Anti -Sozialarbeiterklischee: ein bisschen bullig, kraftvoll, schnörkellos geradeaus, nicht betulich, kein Selberstricker - wenn er Kaffee trinkt, knallt er die Tasse jedesmal scharf auf den Unterteller, dass man denkt: Die verbrauchen hier bestimmt viele Tassen. Dabei geht Jens Lüdert (47) täglich mit einem zarten Stoff um: mit Kinderseelen.

 

Lüdert ist Leiter des Kinderheims Kastanienhof an der Kaiserstraße in Bockum und damit Vertreter einer Institution, die zumindest in der Weltliteratur einen miserablen Ruf hat. Seit "Oliver Twist" gelten Kinderheime eher als Orte des Schreckens und Lüdert kennt diesen Vorbehalt bis heute: "Natürlich", sagt er, "gibt es auch heute Leute, die glauben, hier gebe es einen großen Essensraum, wo Haferschleim ausgeteilt wird."

Die Realität sieht anders aus. Das "Heim" ist eine Wohnstätte; die Zimmer sehen aus wie Kinder- und Jugendzimmer, die Küchen wie Küchen und die "Aufenthaltsräume" sehen aus wie Wohnzimmer. Wohnen - das tun die Kinder hier. Der Charakter der Aufbewahranstalt gehört spätestens seit den 70er Jahren der Vergangenheit an. "Die Kinder und Jugendlichen leben heute in sogenannten Familiengruppen nach Alter und Geschlecht gemischt - wie in einer richtigen Familie eben", sagt Lüdert. Die Kinder und Jugendlichen gehen auf eine normale Schule, sie dürfen besuchen und besucht werden. Das ist oft das beste Rezept gegen Unbehagen bei einem Kind "aus dem Heim". Offenheit ist ein wichtiges Prinzip: "Wir wollen nicht, dass hier eine autonome Welt entsteht; das ist ungesund", sagt Lüdert.

Es gibt „Beheimatungskinder", für die der Kastanienhof zur Heimat wird, bis sie erwachsen und selbstständig sind. Es gibt Kinder, die dort einige Monate bis Jahre leben, weil es in ihrer Familie nicht geht - weil die Eltern psychisch krank, kriminell, drogenabhängig oder gewalttätig sind. "Es ist schon so", sagt Lüdert irgendwann über seine Schützlinge, "dass sie alle gebrochen hier ankommen".

Für die Kinder ist der Weg ins Heim anfangs sehr schwer: "Die meisten haben Schuldgefühle, denn sie glauben: Ich bin schuld, dass meine Eltern mich nicht mehr genug lieben, ich bin schlecht." Zu den wichtigsten Zielen der Erzieher gehört es, den Kindern wieder Selbstbewusstsein zu vermitteln.
"Die Haltung ist, dass die Kinder mit der Zeit bei uns lernen, wer sie sind und welches Leben sie leben möchten."

Wie das so ist bei Seelendingen: Es geht nur langsam, nur behutsam und zart. Wie schwer es die Kinder des Kastanienhofs haben, lässt ein anderes Bild von Lüdert ahnen: Die Kinder, sagt er, haben einen schweren Rucksack zu tragen; "wir schnüren den Rucksack auf, entpacken ihn und versuchen, das Gewicht etwas leichter zu machen". Es geht um Dinge wie angenommen werden, um Verlässlichkeit des Tages, darum, etwas Schönes zu erleben und Zutrauen zu gewinnen, dass das Leben eigentlich schön ist. "Wir hatten einmal einen Jungen, der immer traurig wirkte, nie gelacht hat. Irgendwann bin ich mit ihm zu einem Fußballspiel seiner Lieblingsmannschaft gegangen. Wir haben das Spiel gesehen und eine Currywurst zusammen gegessen. Danach taute er auf." Solche Erlebnisse sind ebenso wichtig wie die Chance, mal in den Urlaub zu fahren. "Was glauben Sie, wie wichtig es ist, dass ein Kind aus dem Heim braun gebrannt in die Schule kommt und sagen kann: Ich war in Holland in den Ferien." Schöne Ferien haben, Spaß haben, mal weg sein, wieder nach Hause kommen diese Art Normalität heilt manche Seelenwunde offenbar mindestens genauso gut wie Therapien (und dafür ist der Kastanienhof auf Spenden angewiesen).

 

Wenn die Probleme zu groß sind, dann müssen die Leute vom Kastanienhof dort arbeiten 90 Menschen ein Kind auch abgeben. Lüdert, dieser große, schwere Mann, der Kaffee trinkt, als würde er Krieg gegen Tassen führen, sagt einen zärtlichen Satz: "Es ist immer auch ein Schmerz, ein Kind abzugeben; das Herz ist immer dabei."

 

 

Info: Das Kinderheim Kastanienhof

(vo) Aus dem Krefelder Säuglingsheim entstand 1971 das Kinderheim Kastanienhof. Heute gibt es dort sechs Familiengruppen, in denen je neun bis zehn Kinder im Alter von vier bis 18 Jahren zusammenleben.
Daneben gibt es zwei Intensivgruppen: eine Kleinkinder- und Säuglingsgruppe (bis zu zehn Kinder, die aus den Familien herausgenommen wurden) und eine heilpädagogische Gruppe mit sechs Bewohnern. Im Kastanienhof arbeiten rund 90 Menschen.

 

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